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Warum?

Zuletzt verändert: 07.01.2009

  Konsultieren Sie auch die «häufig gestellten Fragen» FAQ 

Mindestens zwei Sprachen für alle: Weitere Argumente

Mehrsprachigkeit ist die Regel
Vorbei die Zeiten
Heute
Alle müssen und die meisten wollen mit mehreren Sprachen umgehen können.
Die Volksschule der Schweiz hat dies erkannt
Doch in der beruflichen Grundbildung besteht Handlungsbedarf
«Einsprachigkeit ist heilbar» – auch in der Berufsbildung


Mehrsprachigkeit ist die Regel

Weltweit verfügt die Mehrheit der Menschen über mindestens eine Lokalsprache und eine „Verkehrssprache“.

In Europa ist einsprachige Bildung schon heute die Ausnahme und Mehrsprachigkeit die Regel. Seit 1998 stellt denn auch die Europäische Union ihre Bildungspolitik unter die Devise: Bildung für alle in der Lokalsprache, einer Nachbarsprache und in Englisch.

Auch in der Schweiz müssen künftig also mehr junge Menschen während längerer Zeit mehrere Sprachen lernen und diese bewusst einsetzen und pflegen können.


Vorbei die Zeiten

Denn die Zeiten sind vorbei, in denen Fremdsprachen ein Privileg der «besseren Schichten» waren. Und beruflich eine weitere Sprache nur für Angestellte von Handelsfirmen wichtig war.

Das Lernen einer Fremdsprache war lange Privatsache und stand nach der Schule auf dem Programm – für diejenigen, die es sich leisten konnten.

Von den zahlreichen Jugendlichen, für die weder eine Lehre noch eine «höhere Bildung» in Frage kam (unter ihnen mehrheitlich Frauen) machten auch viele nach der obligatorischen Schulen ein «Welschlandjahr» oder gingen als „Au-Pair“ nach London. Das waren tiefgehende Erfahrungen, gute und schlechte; für das Lernen der Sprache jedoch meist sehr nützlich.


Heute

Seither hat sich Grundlegendes verändert: Rund 90% der Jugendlichen machen eine Ausbildung auf der Sekundarstufe II, wenn auch (zu) viele erst nach ein bis zwei Wartejahren. Mit Recht soll dieser Anteil künftig noch gesteigert werden, denn ohne einen solchen Abschluss ist es schon heute sehr schwer, einen Platz in der Gesellschaft und ein passables Auskommen zu finden.

Die Entwicklungen in Arbeitswelt, Weiterbildung und Privatleben werden mehr und mehr geprägt von einer anspruchsvolleren Grundbildung, von wiederkehrendem raschem Um- und Dazulernen, immer auch in Abhängigkeit von der informationstechnischen «Revolution», die es möglich, aber auch unausweichbar macht, weit über den eigenen Sprachraum hinaus mündlich und schriftlich sachgerecht zu kommunizieren oder wenigstens anderssprachige Mitteilungen und Texte zu verstehen.


Alle müssen und die meisten wollen mit mehreren Sprachen umgehen können.

Verschiedene Entwicklungen sind dafür verantwortlich, darunter

  • ein generell gestiegenen Bildungsniveau,
  • ein verstärktes Bewusstsein für Sprachen von Minderheiten,
  • steigende Mobilität von Menschen und Waren weltweit, aber vor allem innerhalb Europas (Personenfreizügigkeit),
  • wachsender Tourismus- und Geschäftsverkehr,
  • Entwicklung hin zur «Dienstleistungsgesellschaft»,
  • wachsende Bedeutung von E-Mail und Internet in Beruf, Öffentlichkeit und privatem Alltag,
  • Auswirkungen der Globalisierung auch auf die Schweiz mit ihrer stark exportorientierten Wirtschaft.



Die Volksschule der Schweiz hat dies erkannt

Darum ist die Einführung aller Schüler/innen in drei Sprachen zu einem zentralen Teil des staatlichen Bildungsauftrags geworden.
Bald werden die Kinder in allen Kantonen in mindestens drei Sprachen eingeführt: Lokale Standardsprache, eine weitere Landessprache sowie Englisch.
Also werden alle, die künftig eine Berufsbildung wählen, 7 oder 5 Jahre Fremdsprach-Unterricht hinter sich haben.


Doch in der beruflichen Grundbildung besteht Handlungsbedarf

In der Berufbildung spiegelt sich noch das traditionelle Bild, wo Fremdsprachen einigen „besseren Berufen“ vorbehalten sind. Und immer wieder hört man den Einwand, im Beruf x oder y brauche man das nicht. Die verantwortlichen Verbände meinen, dafür lohne sich die Zeit nicht, die sie ihren Lehrlingen für Fremdsprach-Unterricht geben müssten.

Zu oft ist noch nicht bewusst, dass zum Beispiel auch zweisprachiger Unterricht ein vielversprechender Weg fremdsprachlicher Förderung ist - zumal er ohne zusätzliche Lektionen auskommt.

Wenn aber einer von zwei Jugendlichen, die eine Berufslehre ohne Berufsmaturität machen, seine fremdsprachlichen Kompetenzen drei oder vier Jahre brach liegen lassen muss, geht viel von dem verloren, was die Jugendlichen während 7 oder 5 Jahren im Französisch- und Englisch-Unterricht lernten. Sie verlieren ihre Vertrautheit mit den Fremdsprachen, viele Regeln und intuitive Wendungen verblassen wieder, sie entwickeln wieder Hemmungen vor deren Anwendung – und  stehen vor ziemlichen Schwierigkeiten, wenn sie sie nach der Lehre im Beruf oder für eine Weiterbildung wieder brauchen.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht auch eine fragwürdige Minderung des Ertrags dessen, was wir ins Fremdsprachen-Lernen in der Volksschule investieren.


«Einsprachigkeit ist heilbar» – auch in der Berufsbildung

Aber einsprachige Bildung ist auch hier keine Perspektive mehr. Gefragt sind darum dringend Initiative, Phantasie und Innovation. Und zwar von Seiten der ausbildenden Verbände, der Berufsbildungsbehörden und der Politik. Aber auch direkt in den ausbildenden Betrieben und den Berufsschulen.

Denn heute darf davon ausgegangen werden,

  • dass mehr und mehr Lehrlinge bereits Sprachkenntnisse mitbringen und diese auch in der Praxis anwenden und weiterlernen möchten (ganz im Sinne der dualen Berufsbildung)
  • dass der Lehrberuf für die meisten nicht mehr das Ende, sondern der Anfang der beruflichen Bildung ist
  • und dass es neben oder in Kombination mit Fremdsprach-Unterricht viele andere Wege gibt, wenigstens eine zweite Sprache zu fördern. Im Interesse des Betriebs und der Branche genauso wie im Interesse der Berufslernenden und der Gesellschaft.

 

 

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